ARNDT „con leche“

ARNDT „con leche“

Nach dem Vorstandssegeln haben wir die ARNDT eine Woche für uns. Wir, das sind Leena und Carsten Krage, Antje und Stefan Brandenburg, Jan Richter und ich, Uwe Hollenbach. Am Samstag ist der erste Urlaubstag, Anreise nach Mallorca. Der Flug geht erst um 13 Uhr, so habe ich morgens noch Zeit beim Friseur vorbeizuschauen. Als ich mein Gepäck am Flughafen einchecke, erwarten mich Antje und Leena schon. Sie sind mit dem „Kilius“ aus Kiel gekommen und wir haben noch eine gute halbe Stunde Zeit für einen Kaffee und ein Croissant. Was fehlt, als wir zur Boarding Zeit zum Gate gehen, ist das Flugzeug. Unser Flieger kommt schon mit Verspätung in Hamburg an, aber der Flugkapitän verspricht uns, uns mit „Full Speed“ nach München zu fliegen um die Verspätung wieder aufzuholen. Von München aus nach Mallorca haben wir einen super Blick auf die verschneiten Alpen und pünktlich landen wir an unserem Ziel. Leenas und meine Tasche kommen schnell vom Gepäckband, nur Antjes Gepäck lässt auf sich warten. Als nichts mehr kommt, müssen wir doch zum „Lost Baggage“ Schalter. Antje ist total genervt. Zum Glück soll ihre Tasche morgen gleich mit dem ersten Flug aus München nachkommen und direkt in den Yachthafen geliefert werden. Ein Taxi bringt uns zum „Club Nautico“ und nachdem wir an Bord eingezogen sind, machen wir mit Stefan, Carsten und Jan, die schon vor uns an Bord der ARNDT eingetroffen sind, einen Spaziergang ins nahe Viertel mit den Bars und Restaurants.

Am Sonntag ist es grau, Regen tröpfelt an Deck. Direkt im Hafen ist ein kleines Café, in dem wir frühstücken. Direkt daneben ein Mini-Spar, wo wir uns verproviantieren. Nachdem wir den Einkauf an Bord verstaut haben und auch Antjes Gepäck glücklich an Bord angekommen ist, sehen wir uns Palma an. In Palma wird heute ein Marathonlauf veranstaltet und die Straße am Wasser entlang ist für den Autoverkehr gesperrt. Durch kleine Gassen schlängeln wir uns zur Kathedrale. Ein beeindruckender Bau. Auf dem Rückweg zur Marina findet Carsten, dass er Lust auf einen Café „con leche“ hätte, vielleicht mit etwas mallorcinischem Gebäck. Das ist prima, wir anderen finden das auch, und der „con leche“ wird das Motto auf dieser Reise bleiben. Zurück an Bord verduften Antje und Leena schnell noch einmal unter die Duschen, während wir anderen die ARNDT seeklar machen. Nachmittags um halb fünf laufen wir aus, wir wollen heute noch eben „um die Ecke“ zur Cala Pi, einen kleinen engen Einschnitt in der Küste östlich des Cabo Blanco. Der Wind reicht jedoch nur für 3-4 Knoten, sodass wir schon nach kurzer Zeit den Motor um Unterstützung bitten müssen, um noch im Hellen anzukommen. In der Cala Pi ist nur Platz für wenige Boote. Ein etwas kleineres Charterschiff ist schon da, liegt vor zwei Bugankern damit sie nicht so schwojen und mit einer Achterleine an Land. So machen wir es auch. Während wir das Boot auf türkisblauem Wasser verankern, macht Leena uns ein leckeres Risotto.

Am nächsten Morgen ist es noch frisch, aber das Wasser ist „warm“ und nach Carstens Ansage gestern Abend, „Morgen früh wird angebadet!“ sieht man bei uns an Bord drei Wikinger kurz ins 13°C kalte Wasser hüpfen. Jan macht heute das Frühstück, sogar für jeden von uns ein Ei in individueller Härte. Unser Nachbar geht zuerst Anker auf, dann folgen wir. Es dauert eine Weile, bis wir alle Leinen und Anker wieder eingesammelt haben. Insbesondere, weil wir die Riemen des Pustedinghies nicht finden können und ein Fenderbrett als Paddel verwenden müssen.  Hoch am Wind segeln wir in Richtung der Isla de Cabrera, einer Inselgruppe südlich von Mallorca, die unter Naturschutz steht. Wer dort hin will, muss sich zuvor anmelden und eine Boje reservieren. Zu dieser Jahreszeit noch kein Problem. Die Strecke ist nicht weit, nur 13 sm sind es von der Cala Pi aus. Eine Burg thront hoch oben über der Ankerbucht, die gegen fast alle Windrichtungen gut geschützt ist. Wir setzen mit dem Dinghi über (diesmal mit Außenborder), wandern hoch zur Burg und haben von dort einen phantastischen Blick über Ankerbucht und Insel. Nachmittags reist die Bewölkung auf und es wird windiger. Natürlich aus Nord, die einzige Windrichtung, gegen die die Ankerplätze nicht so gut geschützt sind – entsprechend „rollig“ ist es an unserer Mooring Boje. Abends macht Antje Spaghetti Carbonara, dazu gibt es Rotwein und sie erklärt uns wie das ist mit Frühlingsanfang, Vollmond und Ostern.

Am Dienstag soll es ungemütlich werden, N6, in Böen 7, Schauer, Regen. Entsprechend unruhig war die Nacht, die ARNDT schwoit teils heftig hin und her und in der Koje fühlte es sich an als wären wir bereits unterwegs. Als wir um 8 Uhr auslaufen ist es aber noch moderat und wir setzen die G3 zum ungerefften Groß, aber kurz nach 9 Uhr binden wir schon das 1. Reff ein um 10 Uhr das 2. Reff. Eine halbe Stunde später sind wir schon wieder am Cabo Blanco unter Landschutz und können ein ganzes Stück abfallen mit Kurs auf Port Andratx. Aus Palma laufen in dichten Abständen Fähren und RoRo-Carrier aus, vermutlich mit Kurs nach Ibiza, Valencia oder Barcelona. Wenige andere Segler sind unterwegs. Wir haben Glück, den ganzen Tag über bleibt es trocken, kurzzeitig zeigt sich sogar die Sonne. Von der Steilküste vor Andratx kommen heftige Fallböen hinunter. Im Hafen Ölzeug aus, ein Einlaufbier, dann machen wir einen kleinen Fußmarsch in die Stadt, trinken einen Café „con leche“ (!), schauen nach einem Restaurant für das Abendessen, besorgen ein paar Ersatzteile für das Schiff und Proviant im Supermarkt für uns. Zurück an Bord machen wir uns landfein für das Abendessen. Leena hat vorhin ein kleines familiäres Fischrestaurant gesehen, dahin wollen wir. Jan und Stefan probieren eine Paella mit Fisch und Meeresfrüchten (mit Knochen und Schalen), Carsten Fisch in einer Tomaten-Knoblauch Sauce (riecht extrem lecker), Antje gegrillten Goldbutt und Leena und ich bekommen eine gegrillte Seezunge.

Mittwoch halb 7 Uhr aufstehen, 9 Uhr auslaufen. Noch pfeifen ordentliche Böen durch den Hafen und wir setzen zur G3 das Großsegel mit dem 1. Reff. Das reicht eine ganze Weile für 9-9.5 Knoten. Hoher Seegang von der Seite. Obwohl ich die erste Zeit steuere merke ich, dass ich den Seegang heute nicht vertrage. Nachdem Antje übernimmt, lege ich mich nach Lee auf die Cockpitbank. Bloß nicht bewegen. Sogar Leena, die sonst nie seekrank wird, ist etwas angeschlagen. Als wir die Nordspitze von Ibiza passiert haben werden Wind und Seegang weniger, das belebt die seekranke Hälfte der Besatzung wieder. Als wir nachmittags auf Ibiza Hafen zu segeln, kommt sogar noch die Sonne heraus. Zahlreiche High-Speed-Fähren laufen ein und aus, als wir uns dem Yachthafen nähern. Wir bekommen einen Platz im „Club Nautico Ibiza“ mit einem wunderschönen Blick auf die Altstadt mit der beleuchteten Festung bzw. Stadtmauer. Als Snack gibt es zum Einlaufbier Spanische Wurst, Feta, Oliven, Kapern und Brot. Danach einen ersten Rundgang durch die Altstadt.

Aufwachen, aufstehen, frühstücken, Wetterbericht – genau und nur in dieser Reihenfolge. Nach dem Frühstück wollen wir gemeinsam überlegen, wie wir die letzten Tage unserer Reise gestalten. Der Donnerstag soll ein sonniger, sommerlicher Tag werden. Der Wind soll im Laufe des Tages abnehmen, auf Süd drehen, und nachts weiter auf Südwest. Dann können wir heute einen ganz entspannten Hafentag auf Ibiza einlegen. Morgen wollen wir noch im Dunkeln ablegen, bei Tagesanbruch die Passage zwischen Ibiza und Formentera durchfahren um dann im Laufe des Tages mit einem guten Schrick in den Schoten nach Valencia zu segeln. Wir machen uns nach dem Duschen landfein und bummeln zusammen durch die Altstadt hoch zur Kathedrale. Immer mal wieder hat man einen tollen Blick über die verschiedenen Teile des Hafens und über die Insel. Und immer mal wieder geht einer aus der Gruppe verloren (obwohl wir doch nur zu sechst sind). Gegen die Mittagszeit schlägt Carsten vor, wir könnten doch mal einen Café „con leche“ trinken (sic!). Unterhalb der Altstadt finden wir ein nettes Café, in dem es nicht nur einen „con leche“ gibt, sondern auch einen „Cortado“, Kuchen, Croissants und Quiches. Spinat-Quiche mit Pinienkernen und Rosinen – sehr lecker! Den Nachmittag verbringen wir schlafend in der Koje, lesend im Cockpit oder bastelnd an Deck. Ein Urlaubstag halt. Abends gehen wir wieder schön Essen. Leena und Carsten haben das Restaurant „La Brasa“ unterhalb der Altstadt ausgemacht. 5 x Dorade gegrillt plus 1 Steak für Jan. Nachtisch, Käffchen - war auch deutlich der teuerste Abend bisher, aber soooo lecker. Danach schlendern wir am Hafen entlang zurück zum Boot. Morgen geht es früh los…

Wie geplant geht es am Freitag früh los. 4:30 Uhr wecken, 5 Uhr auslaufen, 6 Uhr in der Passage zwischen Ibiza und Formentera. Wind SW 3-4. Ein wunderschöner Sonnenaufgang erwartet uns. Die letzten Felsen von Ibiza sehen aus wie „Lummerland“ (eine Insel mit zwei Bergen…) in Michael Endes Geschichten von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer. Im Tagesverlauf dreht der Wind über S auf SSE, manchmal schlafft der Wind etwas ab und wir laufen nur noch 5 Knoten, meistens sind es aber 7 Knoten. Ein sommerlicher, warmer Tag auf See. Das spanische Festland kann man schon weit sehen. Laut Seekarte sind die Berge am Horizont 1.500 m hoch. Mehrmals begleiten Delfine die ARNDT. Von der Seite kommen sie heran geschossen, springen aus dem Wasser und versammeln sich unter dem Bug. Mühelos und mit kaum sichtbaren Bewegungen ihrer Schwanzflosse halten sie unsere Geschwindigkeit. Im Zick-zack flitzen sie um den Steven herum, drehen sich auf die Seite, als ob sie uns am Bugkorb dann besser sehen könnten. Nach kurzer Zeit ist es ihnen wohl zu langweilig bei uns, und sie verschwinden wieder. Sechzehn Seemeilen vor der Küste dreht der Wind plötzlich von SSE 3-4 auf N 5. Schnell die G1 weg und die G3 gesetzt! Obwohl wir tagsüber gut gegessen haben (Baguette mit Schinken und Käse zum Frühstück, Muffins mit Kaffee und Sandwiches mit Camembert und Spanischem Käse am Nachmittag) freuen wir uns schon auf das Abendessen in Valencia. Nudeln mit roter Sauce, die Leena noch gestern auf Ibiza vorbereitet hat und die schon so wunderbar verführerisch unter Deck duftet. Nach dem Festmachen und dem Verholen auf unseren Platz müssen wir aber erst noch die nassen Segel an Deck zusammenlegen, bevor wir über die Nudeln herfallen dürfen. Damit ist die Woche Segeln auf der ARNDT schon fast wieder vorbei. Morgen kommt die nächste Crew.

Mit Arndt in Spanien