Ostschweden rund Stockholm

Segeltörn 2008 Ostschweden rund Stockholm
(Ein Sommer, der aus der Kälte kam! )
Wie schon seit Jahren bei uns üblich starten wir zu unserem 7 wöchigen Sommersegeltörn während der Kieler Woche. Am Montag war Sturm vorhergesagt, der auch wirklich eintraf, so dass alle Regatten und unser Start abgesagt wurden. Am Dienstag liefen wir aus und entlang der spannenden Regattafelder, um abends bei viel Wind auf Fehmarn in der Beelitzwerft festzumachen. Am nächsten Tag wollten wir endlich einmal nach Gedser, aber der Wind ließ nur einen knappen Steuerbordanlieger nach Kühlungsborn zu. Dort ist ein stimmiger, großzüger Segelhafen mit einem vornehmen Ort wieder auferstanden.
Segelnd ging es weiter über Hesnäs, Klintholm, Ystad, nach Skillinge. Alles  schöne Segeltörns, aber bei eiskaltem Wind und eiskaltem Wasser. Unser erstes Bad in Skillinge bei 13°  C an der bezaubernden Skäneküste mit den typisch schwedischen
Holzhäusern der dort  zahlreich angesiedelten Künstler. In der Hanöbucht war das Wasser 11° C kalt, grausig kalter Wind, es fehlten uns nur die Pelzmäntel  !!!  Das erste Ankern fand abends in Blekinge in der Ankerbucht von Tärnö statt.
Wir wollten die Windrichtungen zum Segeln durch die Schären  ausnutzen und segelten so zur Ankerbucht  Möcklösund östlich Karlskrona und von dort 55sm durch den südlichen Kalmarsund nach Kalmar, entgegen allen Erwartungen mit einem
herrlichen Liegeplatz im Innenhafen bei stimmungsvoller Atmosphäre. Es ist sonnig, aber kalt und wir radeln durch die Innenstadt und zum Schloss  und genießen diesen Ruhetag in Kalmar. Bei schlechtem Wetter mit Sturm,  Regen und Kälte geht
es über Svendsknabben  in das erste richtige Schärengebiet  im Westen des nördlichen Kalmarsundes von Paskallavik und Figeholm (dort liegen wir 2 Nächte im Regen vor Anker, aber idyllisch schön!). Nun beginnt  die ostschwedische Schärenwelt südlich Västervik mit vielen beliebten und paradiesischen Ankerbuchten  wie den von uns angelaufenen St. Vippholmen und Appelkrok. Bei Null Sicht geht es um Arkö nach Öxelösund/Fischereihafen zum Wasser bunkern, entsorgen des Mülls von den vielen Nächten vor Anker und mit einem langen Spaziergang zum ICA-Supermarkt.
Bei noch möglichen Winden zum Kreuzen durch die engen Schärenwege segeln wir 40sm durch die Schären an Trosa vorbei Richtung Mälarensee zu einer Ankerbucht  im Windschatten kurz vor Södertälje. Von dort über den Süd-Mälarensee nach
Slagsta Marina, um von der dortigen U-Bahnstation mit U-Bahn und Bus (und unseren Klappfahrrädern) in die Innenstadt zu gelangen und  wieder einmal durch das schöne Stockholm zu radeln und bei verschiedenen Segelgeschäften komplizierte – rechtzeitig durch Tel.-Gespräche erkundet – Ersatzteile einzukaufen. Wir genießen trotz Regenschauer Stockholm in vollen Zügen mit Stops im Cafe`und später bei einem Gewitterregen in einem guten Restaurant.               
 „ Hier ist unser Törnwendepunkt“ ,da wir die Schären östl. von Stockholm intensiver besuchen möchten. Nach vielen Jahren segeln wir wieder im Osten Stockholms unter „Segeln“ durch den Skurnsundet, der östlich Nacka und westlich an Eknas vorbei läuft und dann durch den engen, verwunschenen Lännerstasundet/Backenstacket  weiter durch die Schären an Napoleonsviken vorbei bis zum romantischen Ankerplatz in der Halbinsel von Smadalarö.
Wir kennen die meisten Inseln nördl. und östl. Stockholms, auch die Nachbarinseln Ornö & Ranö um Utö, jedoch Utö war stets so voll belegt, dass wir es gemieden haben, obgleich es ein altes Wunschziel von uns war. So liefen wir Utö mittags an und der Nordhafen war „über proppen voll“. Viele Motor- und Segelboote kreisten gierig nach einer Lücke suchend umher. Wir wollten eigentlich schon weiter laufen, da tat sich an der schönsten Stelle an der Brücke vor dem Hafenbüro ein schmaler Spalt auf, der schwedische Nachbar half uns, zack und wir waren als Sofortentscheider mit Achtertampen an der Heckboje drin: heißer Wind, warme Sonne, eine irre Sommer-schwedenstimmung auf der Brücke, lange Schlange am Eistresen.
Am Nachmittag ging es mit den Rädern an den alten Erzgruben vorbei zum Baden an die felsige Ostküste von Utö, am nächsten Tag eine große Radtour über die Inseln Utö und Alö mit einer Pause im urigen Sommerrestaurant „Batshaket“ mit
geräucherten Räker am Ende von Alö.(Das war unser erstes Wunschziel). Nun war wieder Segeln durch die Schären angesagt :Ankerbucht  Ringsön – Arkösund Nord – bei grausigem Gewitterregen mit Null Sicht, die Karte naß und unleserlich unter der
Hülle in die kleine Ankerbucht Drottningsviken südl. Fyrudden – Ankerbucht 1 südl.Loftahammar: und hier kommt endlich der Sommer aus der Kälte!!! – shopping & Versorgung in Loftahammar – Ankerbucht 2 bei Loftahammar – Ankerbucht Krokö
südöstl. Västervik – und endlich seit Jahren wieder Byxelkrok (der Hafen „über proppen voll“): große Radtour an die Ost- und Nordküste von Öland (Das war unser zweites Wunschziel)
Der anschließende Törn geht zur Ankerbucht bei Pataholm  in einer bezaubernden Schärenlandschaft von kleinen bewaldeten Schären, umrandet von saftig grünen Schilfgürteln:(Das war unser drittes Wunschziel) – Mörbylanga auf Öland – Ankerbucht Gasefjorden( hier war während des kalten Krieges ein russisches U-Boot, bewaffnet mit Atomraketen,  1981 auf einen Felsen gelaufen) – Utkik auf Dragsö, der idyllische Schärenhafen von Karlskrona mit Radtour in diese schöne Stadt:(Das war unser viertes Wunschziel) – Ankerbucht Tärnö in der Hanöbucht – Nogersund gegenüber Hanö mit Radtour nach Hellevik zu „Hennings Rök“ – da nur noch für den 1.8.08 Ostwind wehen sollte vor der Drehung auf West, sind wir 82 sm von Nogersund über die wilde Seeecke Sandhammeren nach Gislövsläge/Trelleborg bei 6-7 Windstärken gerauscht. Dort einen Tag Pause wegen SW Sturms mit Radtour nach Trelleborg. Der nun vorgesehene Törn nach Dänemark in die Faksebucht nach einem Frühstart um 7.°° wurde bei  SW6-7 hoch am Wind  und hoher See aufgegeben und der Falsterbokanal angelaufen (diese Entscheidung erwies sich als sehr richtig, da ein Sturmtief aus SW8-9 2 Tage über uns hinwegfegte!): große Radtour von Höllviken am Falsterbokanal nach Skanör mit Baden in den Dünen von weißem Sand (wie auf Sylt oder Anholt) und den Ferienort Falsterbo:(Das war unser lange schon angepeilter fünfte Zielwunsch) Drei Nächte mussten wir in Höllviken im Hafen bleiben wegen Sturmes und einer Orkan-Nacht 4./5.Aug. durch ein Sturmtief über Südschweden/Falsterbokanal! Danach segelten wir in drei Langtörns nach Kärrebäksminde (71 sm),Spodsbjerg und zurück nach Strande, wo wir noch durch eine riesige Regenwand östlich Schönberg mit Spitzenböen von 9 bf bei SW kreuzen mussten und am 8.8.08 17.45 Uhr in bester Stimmung in Strande einliefen.
In den Schären fiel uns auf, dass viele Schweden wie selbstverständlich durch wilde rockige Schärengebiete außerhalb der gekennzeichneten Schärenwege motoren: die auf allen modernen, neuen Yachten vor dem Rad aufgebauten großen Kartenplotter machen es möglich! Es gibt Tage, da möchte man weiter trotz eines unangenehmen Gegenwindes, Sturm oder Flaute: Warten, und der nächste Tag bringt den richtigen Wind als Geschenk.
Es war eine wunderbare, interessante und entspannte Segelreise 2008 von 1201sm,  davon nur <30 sm unter Motor (2,5 %) und 40 Segeltagen, 6 Hafentagen(davon 3 wegen Sturmes , 18 Nächten am Anker und 14 Radtouren.
Wir wollen keine Werbung für unseren Schiffstyp machen, aber unsere Yacht  ist sehr  komfortabel zum Leben an Bord und bei gekonnter Segeloptimierung vernaschen wir die meisten Tourenyachten, die es mit uns versuchen, und das Badeheck der Comfortina 35 ist beim Baden vor Anker unschlagbar bequem und badefreundlich.

Mit seglerischem Gruß
Hilke und Dr. Dieter Ahrendt (61&72Jahre)  


Bilder

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