Swan 53 „Kathea“ jetzt im Pazifik

2. Reisebericht der Swan 53 „Kathea“

Nach der Teilnahme an der ARC 2013 flogen die meisten Crewmitglieder nach Hause, um Weihnachten mit ihren Familien zu feiern. 2 Mitsegler blieben an Bord, ihre Frauen kamen hinzu, um einmal Weihnachten in der Karibik zu erleben. Der mitternächtliche Besuch eines Gottesdienstes in einer Kirche im Nachbarort Gros Islet wurde zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Nach Ausflügen auf der Insel St. Lucia und einem kurzen Törn zu einem schönen Ankerplatz unterhalb der Pitons, den Wahrzeichen der Insel, zwei hoch aus dem Meer aufragenden  Vulkankegeln, und zur Marigot Bay wurde viel Zeit für die Neuproviantierung des Bootes und für kleinere Reparaturen verwendet. Das Boot wurde auf der benachbarten Werft aus dem Wasser genommen und ein neuer Unterwasseranstrich aufgebracht. Überraschend waren auch die Anoden am Propeller und an der Welle stark angegriffen und mussten ersetzt werden, obwohl sie erst in Las Palmas erneuert worden waren.
   Anfang Januar kam die neue Crew von Deutschland, am 11. Januar startete dann die „WorldARC 2014/2015“. Ein Feld von rd. 40 Booten machte sich auf den Weg rund um die Welt. Der größte Teil der Flotte sind Einrumpfboote von im Durchschnitt 50 Fuß Länge, das größte Boot ist 64 Fuß die kleinsten Boote sind 39 Fuß lang. Eine Reihe von Katamaranen rundet das Feld ab. Viele Boote sind extra für die Weltumseglung gekauft worden, teilweise auch umfangreich aus- und umgerüstet.Viele Nationen sind vertreten, Boote aus USA und Großbritannien überwiegen, es sind aber auch Boote aus Irland, Norwegen, Schweden, Slowakei, Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich, Kanada, Australien und Argentinien dabei. 6 deutsche Crews nehmen teil.
   Nach dem Start bei kräftigen Nordostpassat wurde deutlich, dass es darum ging, die beste Segeltaktik bei Raumschotsbedingungen zu finden. Manche Crews sind zu klein, um bei 5 – 7 Windstärken einen Spinnaker zu fahren, manche versuchen es mit etwas kleineren Parasailor-Spinnakern, die etwas ruhiger stehen sollen. Wir fahren zunächst unseren kleineren Gennaker, merken aber schnell, dass wir zu wenig Tiefe fahren können. Schließlich kehren wir zur bewährten Methode zurück, die Genua auszubaumen. Damit laufen wir schnell genug, um nach rd. 6 Tagen als 3. Boot im Ziel bei den San Blas-Inseln anzukommen. Rd. 1250 Meilen liegen hinter uns. Unser Zieleinlauf findet in der Nacht statt, wir warten bis zum Morgen, ehe wir beim ersten Morgenlicht in die Einfahrt zur ersten Insel im Golf von San Blas gehen. Hier gibt es viele Riffe, es ist also besser, eine gute Sicht zu haben.
   Wir besuchen mehrere Inseln der hier lebenden Kuna-Indianer, ehe wir nach Colon zum Panama-Kanal weiterlaufen.  Vorher haben wir noch ein bemerkenswertes Ereignis: Unser Beiboot hatte sich in der Nacht am Ankerplatz losgerissen und war abgetrieben. Der Bugbeschlag war durchgebrochen. Wir informieren die kleine Polizeistation über den Verlust und bald verbreitet sich die Nachricht über die weiteren Inseln. Nach 3 Tagen erfahren wir, dass unser Dinghy etwa 10 Meilen entfernt aufgefunden und von den Bewohnern einer kleinen Insel nahe des Festlands sichergestellt wurde. Wir fahren mit einem offenen Fischerboot zu dieser Insel und können nach zähen Verhandlungen und der Zahlung einer Belohnung von 500 $ das Dinghy wieder mitnehmen.
   Die Flotte der WorldARC-Boote war inzwischen in 3 Gruppen aufgeteilt worden, um mit jeweils 10 – 15 Booten die Passage des Panama-Kanals zu bewältigen. Am 28.01. sind wir nachmittags vor der ersten Schleuse. Vorher waren alle Boote vermessen und mit langen Schleusenleinen sowie zusätzlichen Fendern ausgestattet worden. Nachdem auf jedem Boot ein Advisor der Kanalverwaltung an Bord ist, werden Päckchen gebildet, die gemeinsam in die Schleuse einfahren. Wir liegen längsseits eines großen Katamarans, der für uns das Fahren übernimmt. Nach knapp 2 Stunden haben wir die 3 Schleusenkammern hinter uns, lösen das Päckchen wieder auf und  gehen einzeln im Gatunsee vor Anker oder machen an Muringtonnen fest. Am nächsten Morgen kommt ein neuer Advisor an Bord, wir fahren durch den großen Gatunsee und den Kanal zur ersten abwärts führenden Schleuse. Wieder werden die Boote zu Päckchen verbunden, bevor sie geschleust werden. Nach 3 Schleusungen haben wir es geschafft, wir sind am Pazifik angekommen.
Zwei  Tage bleiben wir in Panama City bzw. dem nahegelegenen Ausflugsort „Isla Flamenco“. Wir ankern in einer geschützten Bucht. Die zwei Marinas sind voller riesiger amerikanischer Motorboote zum Hochseeangeln, für uns ist kein Platz. Von der WorldARC wird eine Fahrt zu den Embera-Indianern organisiert, die im Binnenland am Oberlauf des Rio Chagres leben. Nach einer Busfahrt steigen wir Alle in große Kanus, die uns mit Außenbordmotoren zu der Ansiedlung der Indianer bringen. Die kleine Dorfgemeinschaft zeigt uns ihre sehr gepflegten Holzhütten und das große Gemeinschaftshaus, der Chief erklärt die Lebensweise und die Rituale im Dorf. Der Ausflug  ist gelungen, vor allem die Fahrt durch die ursprüngliche Flusslandschaft beeindruckt sehr. Es bleibt noch Zeit für einen kurzen Rundgang durch die Altstadt von Panama City, wo wir zufällig die Feier für das chinesische Neujahrsfest miterleben. Ein großer Stoffdrachen, unter dem sich mehrere Männer bewegen, wird durch viel Feuerwerk und Knallkörper durch die Straßen und aus der Stadt heraus getrieben.
   Am 01.02. verlassen wir den Ankerplatz vor Panama-City und laufen zu der rd. 30 Meilen entfernten Inselgruppe „Las Perlas“. Diese weitgehend unbewohnten Inseln sind für ihre guten Fischgründe und schöne Ankerplätze bekannt. Leider ist zu dieser Jahreszeit das Wasser sehr trübe, so dass sich das Schnorcheln kaum lohnt. Nachdem sich die gesamte Flotte auf einem Ankerplatz vor der Insel Contadora wieder versammelt hat, starten wir am 7.02. zur nächsten Etappe nach Galapagos. Wir erwischen einen guten Start, können bald den Gennaker setzen und lösen uns rasch vom Hauptfeld. Eine starke Strömung von 2 Knoten bringt uns gut nach Westen voran. Bei durchweg leichten südlichen Winden sind wir nach rd. 850 Meilen in 4,5 Tagen als 2. Boot im Ziel vor der Insel San Christobal. Lange hat es so ausgesehen, dass wir 1. Boot werden, bis ein riesiger amerikanischer Katamaran (18 x 10 Meter) auftaucht und 2 Meilen vor uns das Ziel überquert. Er kann exakt gegen den Wind segeln, wie wir verwundert auf dem AIS-Bildschirm sehen. Vermutlich heißen die Segel Volvo oder Yanmar. Vor dem Annäherung an San Christobal überqueren wir den Äquator. Eine ausgiebige Äquatortaufe reinigt die Neulinge auf der Südhalbkugel, wofür Neptun persönlich mit Gehilfe an Bord erscheint.
   Wir bleiben fast 3 Wochen auf den verschiedenen Inseln von Galapagos, unternehmen eine Rundfahrt per schnellem Kabinenkreuzer zu den Hauptinseln Floreana, Isabela und Santa Cruz, wo wir mit einem Nationalparkführer die Inseln besichtigen, schnorcheln und baden. Die Tierwelt von Galapagos ist bekanntlich bedeutend, aber nachdem wir unzählige Schildkröten, Leguane und Seevögel (unter anderem kleine Pinguine) gesehen haben, ist es erst einmal genug. Am 2. März starten wir von Santa Cruz zur 3. Etappe nach Hiva Oa, einer rd. 3.000 Meilen entfernten Insel der Marquesas, Französisch-Polynesien.
   Während auf vielen Booten Reparaturen notwendig werden und Ersatzteile mühselig eingeflogen werden müssen, sind wir bisher davon verschont geblieben. Die Swan sorgt für uns und bereitet uns ständig Freude. Alles funktioniert und Alles ist heilgeblieben. Gleichzeitig ist das Segeln auf der „Kathea“ eine Freude, wir sind schnell unterwegs. Innerhalb der WorldARC-Flotte sind wir nun schon bekannt.
 



Kathea Impressionen