Atlantiküberquerung der Swan 53 „Kathea“

Die im Mai 2013 von der Nautor-Werft ausgelieferte Swan 53 „Kathea“ wurde vom Eigner Heinrich Völker mit seiner Crew zunächst von Pietarsaari nach Flensburg gesegelt, damit  dort letzte Ausrüstungsdetails bei der deutschen Nautorvertretung ausgeführt wurden. Anschließend ging es nach Hindeloopen (Niederlande), wo die „Kathea“ in großer Gesellschaft getauft wurde. In mehreren Etappen und mit wechselnden Crews wurde die „Kathea“ zunächst nach Cowes (Großbritannien) zum Swan-Cup und danach durch den Englischen Kanal zur Bretagne, über Spanien, Portugal und Madeira nach Las Palmas (Gran Canaria) gesegelt.
   In Las Palmas begann dann der zweite Teil einer Reise, die noch bis Australien führen soll. Rund 250 Boote hatten sich zur Atlantic Rallye for Cruisers (ARC) eingefunden. Der inzwischen erweiterte Sportboothafen von Las Palmas war voller Aktivitäten. Jeden Tag wurde an den Booten gearbeitet, Reparaturen ausgeführt, Lebensmittel gebunkert, Unterwasserschiffe per Tauchgang gereinigt. Daneben gab es viele Informationsveranstaltungen über die verschiedenen Themen des Langstreckensegelns. Vor allem die lange Vorwindstrecke von rd. 2.800 Meilen wurde diskutiert. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man mal für einige Stunden den Spinnaker oder Gennaker setzt oder ob man tagelang vor dem Wind bei teilweise böigen 5-6 Windstärken gut voran kommen soll. Die Schoten und Fallen leiden an den verschiedenen Scheuerstellen und müssen regelmäßig kontrolliert werden. Abends gab es täglich ein Treffen aller Segler bei Freibier und Sundowner. Einige deutsche Segler verabredeten sich zu einer deutschen Funkrunde per Kurzwelle, die von der Bremer Oyster 53 „Dragonfly“ organisiert wurde. Außerdem hatten sich alle Yachten täglich um 14 Uhr UTC in einer englischen Funkrunde zu melden. Daneben erhielten alle Boote vom Veranstalter einen Iridium-Tracker, der automatisch alle 4 Stunden den Standort per Satellit meldete. So konnten die Angehörigen am heimischen Computer den Kurs und Standort der Boote am Bildschirm verfolgen.
  Nach einer großen Abschiedsparty im Club Nautico von Las Palmas war am Sonntag, dem 24. November der Start. Die auslaufenden Boote wurden von einer großen Zuschauermenge verabschiedet.  Auf allen Booten war die Aufregung zu spüren, dass es nun endlich losging.  Auch unsere sechsköpfige Crew war zu großen Taten bereit. Das Boot war perfekt vorbereitet. Allein der Getränkevorrat war beachtlich,  450 Dosen Bier mussten verstaut werden. Bei böigem und regnerischem Wetter wurden die Boote in mehreren Gruppen über die Startlinie geschickt.  Unser Start um 13 Uhr Ortszeit war perfekt, wenige Sekunden nach dem Startschuss gingen wir „auf die Bahn“. Auf der Höhe des Flughafens von Gran Canaria gibt es eine Starkwindzone, vor der immer gewarnt wird.  Auf einigen Booten gab es hektische Manöver. Wir konnten uns gut freihalten.
    Im Süden von Gran Canaria trennte sich das Feld rasch auf. Die Gruppe der Racer ging sofort auf westlichern Kurs, um sich nördlich eines angekündigten subtropischen Tiefdruckgebiets zu halten. Auf „Kathea“ hatten wir beschlossen, einen konsequenten südlich verlaufenden Kurs zu wählen, der uns nahe an den Kapverden vorbeiführen würde. Damit würden wir das Tief südlich umfahren. Unser Wachsystem an Bord bewährte sich. Alle 3 Stunden war Wachwechsel, immer zwei Segler teilten sich die Wache. Nach 5 Tagen standen wir rd. 15o Meilen nördlich der Kapverden-Insel Santo Antao. Es herrschte teilweise flaues Wetter, wir mussten mehrfach einige Stunden unter Maschine fahren, um voran zu kommen und das Nerv tötende Schlagen der Segel zu minimieren. Aus den Funkrunden erfuhren wir, dass die meisten anderen Boote deutlich nördlicher von uns standen. Sie mussten zum Teil die Auswirkungen des Tiefs ertragen mit Böen von 35 – 40 Knoten Wind, so dass es einige Schäden gab, während wir eher Leichtwindbedingungen hatten. Wir konnten sogar mitten im Atlantik von der Heckplattform aus baden, ein merkwürdiges Gefühl, auf mehr als 4000 Meter Wassertiefe zu schwimmen. Das Angeln von Bord kam auch nicht zu kurz, mehrere Goldmakrelen (Mahi-Mahi) bissen an. Dann allerdings riss ein besonders schwerer Fisch den Köder und den größten Teil der Leine ab. Das bedeutete das Ende der Angelei. Als die Logge am 2. Dezember 1.450 Meilen anzeigte, beschlossen wir, das „Bergfest“, also die Hälfte der Überquerung zu feiern. Für diesen Zweck hatten wir eine Flasche Sekt kalt gestellt. Beim Zieldurchgang wurde übrigens die zweite Flasche geöffnet.
   Täglich erhielten wir von der Rallye-Leitung per Satellit die Standorte aller teilnehmenden Boote gemeldet. Wir lagen trotz unseres längeren südlichen Kurses nicht schlecht. Unsere Segeltaktik bestand darin, tagsüber mit Gennaker mehr vor den Wind zu gehen, um für die Nacht den Gennaker zu bergen und mit Genua und Großsegel etwas Höhe zu ziehen. Das bedeutete Kreuzschläge vor dem Wind und eine längere Segeldistanz. Nachts hatten wir häufig kleine Regenwolken mit stark auffrischendem Wind, sogenannte „Squalls“, die wir auf dem Radarschirm meistens rechtzeitig erkennen konnten. Als wir eines Nachts doch den Leichtwind-Gennaker stehen ließen, rächte sich das. Ehe wir in einer Böe von 25 Knoten den Gennaker bergen konnten, platzte er aus den Lieken. Danach hatten wir also nur noch den kleineren Gennaker, den wir entsprechen vorsichtig fuhren.
   Erst in den letzten fünf Tagen vor unserem Zieleinlauf bekamen wir endlich den lang ersehnten kräftigen Passatwind, der uns mit 5 – 6 Windstärken rasch nach St. Lucia führte. In der Nacht vom Mittwoch, dem 11. Dezember sahen wir die Lichter von St. Lucia und Martinique am Horizont. In stockdunkler Nacht mussten wir im Martinique/St. Lucia-Kanal noch einem auslaufenden Frachtschiff ausweichen und uns von zwei anderen Segelbooten freihalten, mit denen wir im Minutenabstand die Ziellinie überquerten. Nach 17 Tagen und 16 Stunden war es dann so weit. Um Mitternacht Ortszeit waren wir dann schon in der Rodney Bay Marina auf dem zugewiesenen Liegeplatz fest. Ein Begrüßungskommitee stand mit Rumpunsch und tropischen Früchten am Steg bereit.  Wir waren als 42. Boot der gesamten ARC-Flotte von rd. 250 Booten angekommen. 3.040 Meilen lagen hinter uns. Unsere Crew von 5 Senioren (65 +)und einem Junior von 48 Jahren war zufrieden. Abgesehen von dem Verlust des einen Gennakers und dem Bruch eines Fussblocks war Alles an Bord heilgeblieben. Die Swan hatte uns perfekt über den Atlantik gebracht. Es war ein Vergnügen, dieses schöne Boot zu segeln, das alle Anforderungen übertraf.
   Viele Tage später, nach ausgiebigen Feiern erfuhren wir bei einer tollen Abschiedsparty und Preisverteilung, dass die „Kathea“ in der Cruising- Gruppe E den ersten Platz einnahm und nach berechneter Zeit  in der gesamten Cruising Division den 7. Platz ( von rd. 200 Booten)  erreicht hatte, außerdem das erste deutsche Boot und die erste Swan im Ziel war. Dafür gab es einen Sonderpreis.
   Jetzt wartet die „Kathea“ auf die Weiterreise. Sie wird im Rahmen der World ARC am 11. Januar 2014 zunächst nach Panama starten. Vorher erhält sie noch einen neuen Unterwasseranstrich. Den hat sie sich verdient!  

Impressionen