Sommerreise 2005 der Arndt

Schließlich ging es doch noch los....
   
Der erste Teil der Reise

Skipper:
Ulf Petersen
Crew:
Stefan Kunstmann (1. WF)
Günter Renner (2. WF)
Grant Greenall
Christina Vollrath
Leona Luncke
Thomas Lösekann

Am ersten Julitag haben wir Kiel mit dem Ziel "Nordsee" verlassen. Die Fahrt durch den NOK verlief störungsfrei. Bei einem kurzen Stop in Rendsburg konnten wir noch die Ankerwinsch reparieren lassen. Nach einem reichlichen Abendbrot in Brunsbüttel sind wir dann mit ablaufender Tide und keinem bis leichtem Wind aus der Elbe gelaufen. Wie es sich gehört, wurden die Segel ab 3-4 Knoten Wind genutzt, niemand ist am "goldenen Motorschlüssel" interessiert.
Bei den widrigen Wetterbedingungen - kein Wind aus drehenden Richtungen -und den Wetteraussichten während einiger Tage auf See haben wir uns noch eine Pause auf Helgoland gegönnt. Duschen und Einkaufen haben uns dort zwei, drei Stunden lang beschäftigt, bevor es unter Spi weiter auf die Reise ging.
Was dann folgte, war ein Kampf mit den Elementen. Kein bis wenig Wind haben uns dazu gebracht, Rasmus eine Tasse Sherry einzuschenken. Augenscheinlich ein wenig zuviel, denn nur wenige Minuten danach briste der Wind auf über 25 Knoten auf. Und schlief wieder ein. Und briste wieder auf. Und... Naja, ich will euch nicht langweilen. Eine kurze Gewitterfront mit starken Regenschauern hat die Arndt bei Raumschotskurs für mehrere Stunden auf über 10 Knoten in Richtung England beschleunigt. Die Regenschaür waren natürlich nicht auf Gewitterfronten beschränkt: Es regnete nicht viel, dafür aber konstant und dann meistens reichlich... :-)
Irgendwann ist Rasmus dahintergekommen, dass es beiden, zwischenzeitlich trainierten Wachen überhaupt nichts ausmacht, von GI auf GIII oder GIV zu wechseln oder Reff 1 oder 2 einzuscheren und hat sich auf eine völlig neueTaktik verlegt: Der Wind schlief bei strahlend blauem Himmel völlig ein.
Grant hat getestet, wie lang der kürzestmögliche, zeitliche Abstand für aufeinander folgende Patentwenden ist - ein Grund, völlig auszureffen.
Endlich hatte uns Rasmus, wo er uns haben wollte: Der Wind briste auf, in den schweren Sturmböen zwischen 45 und 50 Knoten. Die Welle stieg auf etwa 5 Meter Mittelwelle, einige Brecher schienen bis 7 oder 8 Meter hoch zu sein.
Die Maschine der Arndt war bei 2500 U/min nicht in der Lage, gegen die Welle zu fahren, was das Bergen des Grosssegels nicht gerade begünstigt hatte.
Alle blieben ruhig und konzentriert, so dass auch dieses Manöver letztlich passte. Nur allein mit der GIV erreichten wir am Wind immer noch etwa 7-8 Knoten. In völliger Dunkelheit mitten im Trog waren einige Wellen erst spät zu sehen, so dass ein Aussteuern kaum mehr möglich war. Im Vorschiff lag nun das unterste zuoberst und die Nachfrage nach den achteren, "warmen" Kojen stieg entsprechend.
Und so liegen wir nun seit Dienstag früh im Hafen von Ramsgate bei ungemütlichem Wetter und testen Fish 'n Chips, Pubs und die Innenstadt auf Seglertauglichkeit. Morgen früh geht es nach einem englischen Frühstück auf in Richtung Solent.
Hier ist der zweite Teil des Berichtes
Am Donnerstag haben wir gegen 21:00 Uhr Ramsgate mit dem Ziel Solent verlassen. Mitten in der Nacht haben wir Dover passiert – wirklich beeindruckend, wenn Fähren im Sekundentakt Dover anlaufen und sich dabei gegenseitig im Abstand zu unserem Heck zu unterbieten versuchen. Der ins Segel gerichtete Suchscheinwerfer hat dabei wertvolle Dienste geleistet.
Die Nacht über hat die GIV bei gerefftem Gross geweht, die wir morgens gegen volles Groß und G III tauschen konnten. In der Einfahrt in den Solent nahe dem Nabs Tower ging der Wind unter 20 Knoten, sodass wir mit Highspeed und G I in den Solent fahren konnten. Die 144 Meilen von Dover nach Cowes, unserem momentanen Standort, haben wir so in etwa 22 Stunden bei durschnittlichen 6,5 Knoten bewältigen können. Den Freitag abend haben die meisten von uns an Bord verbracht, die anderen probierten sich schon einmal durch die Pubs und Einkaufsläden in Cowes. Im besten Pub hat dann auch der Rest der Mannschaft am Samstag Abend fest gemacht.
Im südlichen England hat sich nach dem heftigen Wetter der Woche nun ein stabiles Hoch breit gemacht. Sonnenschein und blauer Himmel belohnen uns nun.
In wenigen Minuten werden wir in Cowes ablegen, um im Solent einige Manöver zu üben und dann in den Bealieu River zu laufen, der nur bei Hochwasser zu passieren ist.
Auch Baden gehen wollen wir probieren, aber bei ca. 15 Grad kaltem Wasser wird das wohl ein kurzer Spass.
Cowes ist unverschämt teuer, meine 15 Minuten Internet kosten bereits 2.50 Pfund, also werde ich an dieser Stelle aufhören.
Viele Grüsse aus Cowes von der Arndt-Mannschaft!

Hier ist der dritte Teil des Berichtes.
Wir scheinen den Engländern in Teilen technisch überlegen zu sein. Allein die mangelnde Ausrüstung mit sogenannten Mischbatterien auf Waschbecken (hier hat man zwei getrennte Hähne für warmes und kaltes Wasser) lässt auf eine Marktlücke schliessen. Insbesondere fällt es bei den üblichen Preisen in Internet-Cafes auf, die auf dem deutschen Niveau des Jahres 2000 liegen...
Nichtsdestotrotz wollen wir den geneigten Leser mit Informationen über unseren Verbleib versorgen:
Am Sonntag, den 10.07. haben wir das schöne Cowes gegen Mittag verlassen. Nach ausführlichem Manövertraining für alle im Solent (der Strom schaffte erschwerte Bedingungen für simple BOB-Manöver) sind wir in den Beaulieu River nach Bucklers Hard gelaufen. Das Glibberbrett-Fahren musste wegen mangelnden technischen Sachverständnisses meinerseits ausfallen.
Eine Randnotiz für den zwischenzeitlich von Bord gegangenen Grant: Einige haben sich bei dem Beaulieu River tapfer gegen die französische Aussprache "Boliö" geweigert und die im Reeds notierte Variante "Bjulie" benutzt! ;-)
Abends gab es für mich noch eine kleine Überraschung: Durch einen verfrühten Anruf eines Freundes von mir hat die Crew erfahren, dass ich am Montag Geburtstag haben sollte. Nichtsahnend bekam ich um Mitternacht eine aus Gummibärchen bestehende Geburtstagstorte an Deck gereicht – gelungene Überraschung! Danke an Leona und Christina, insbesondere aber an Ulf, der sich während der Vorbereitung tapfer gegen sein Verlangen gewehrt, dann aber beherzt bei der Vernichtung unterstützt hat.
Montag Mittag ging es bei wenig Wind weiter nach Yarmouth. Dort gibt es keine Stege, sondern nur Pfeiler. So technisch überlegen scheinen wir doch nicht zu sein, denn insbesondere Günter hat penibel Buch über die Einnahmen des Harbour Taxi geführt - mit anschliessenden Bauchschmerzen... Ein Versuch, unser Beiboot "Heidi" mit der Aufschrift "Harbour Taxi, call Ch 15" zu versehen, schlug fehl - die Bordkasse bleibt leider doch knapp. Ein Pfund pro Fahrt - unglaublich, die Briten!
Am Dienstag ging es bereits mitten in der Nacht, gegen 10:30 Uhr, los.
Unser eigentliches Ziel war eine Ankerbucht, die wegen der Legerwallküste leider ausfallen musste. Also drehten wir nach St. Peter Port auf Guernsey ab.
Erst heute (Mittwoch) haben wir am späten Nachmittag fest gemacht, weil wir auch bei schwachsinnig umlaufenden Winden tapfer weiter gesegelt sind.
Morgens wurde es bei dichtem Nebel (Sicht < 200 m) unruhig - Ulf plottete ein Ziel mit mehr als 200 kn auf dem Radar, direkt auf uns zukommend! Abfallen, Anluven, mit nur 2 Knoten Fahrt doch auch egal - was nun? Doch was ein Glück: Ulf hatte lediglich kurzfristig die Flugaufklärung über Alderney übernommen und ein U(L)FO entdeckt. Nun wissen wir wenigstens, dass wir im Zweifel selbst Anflugkontrollen durchführen und uns gegen fliegende Ziele wehren können.
Morgen früh müssen wir wegen einer Regatta bereits wieder weg und werden uns so langsam auf den Weg nach Cherbourg machen, um Arne dort das Beiboot zu überlassen - einige wollen schlichtweg noch nicht nach Hause. Insbesondere ich! Aber ich bleibe ja auch noch und werde weiter berichten.
Liebe Grüsse aus St. Peter Port auf Guernsey
 

Bilder der Reise